Nicht nur Ritter und Wikinger

 

Geschrieben von Kurt Jendryke

 

am 14. Juni 2017

 

Hanse-Steinfurt wieder in der WN

 

War das Mittelalter eher ein dunkel-bedrohliches oder ein spannend-aufregendes Zeitalter? Die Übergänge waren sicher fließend. Und über diese Frage streiten sich die Geister.
Auf jeden Fall haben Märkte Hochkonjunktur, in denen Männer und Frauen in historischen Gewändern auftreten und den Hauch längst vergangener Tage verbreiten.

 

Aus solchen Enthusiasten besteht die Mittelalter-Gruppe «Hanse-Steinfurt». Am ersten Juli-Wochenende ist sie auf dem mittelalterlichen Salinenfest in Rheine zu erleben. Am Samstag hat die aus insgesamt 14 Personen bestehende Formation auf dem Hof Köninck in der Bauerschaft Veltrup geübt. Sie hat dort ihre Zelte aufgebaut, erstmalig auch ein «Duschzelt», das allerdings im elften Jahrhundert noch kein Vorbild gehabt haben dürfte. Damals wurde wohl eher gebadet, doch die «Hanse-Steinfurt» möchte einen mobilen und praktischen Ort zur Körperpflege mit sich führen. «Die Wege von unseren Auftrittsorten bis hin zur nächsten Dusche sind oft sehr weit», erläutert Kurt Jendryke, der in die Rolle des Kaufmanns «Kurt van Rieken» schlüpft und «Anführer» der Gruppe ist.

 

Als van Rieken ist Jendryke besonders prächtig ausstaffiert. Er trägt unter anderem eine schwere Schmuck-Kette und einen Pelz um den Hals. Ein Zeichen für Wohlstand. Die Mitglieder der Gruppe stammen unter anderem aus Steinfurt, Nordwalde, Ochtrup und Greven. Den Namen «Hanse» (althochdeutsch «Hansa», was so viel wie Gruppe, Gefolge oder Schar heißt)wählte man im Angedenken an die vom 12. bis 17. Jahrhundert bestehende Vereinigung niederdeutscher Kaufleute. Damals zogen regelrechte Handelskarawanen durch das Land. Bekannte Hanse-Städte sind bis heute Hamburg und Bremen, aber auch Münster und Osnabrück gehörten zum Hansebund.

 

«Wir haben uns bewusst nicht auf Kreuzritter oder Wikinger festgelegt, bei uns kann jeder darstellen was er möchte», so Jendryke. Die Namen, allesamt Pseudonyme, hat es allerdings nie wirklich gegeben. So reisen neben van Rieken unter anderem der Waldläufer Luca vom Brook, der Schmied Wolfgang von Stenvorde, die Marketenderin Gabriele von Rotterdam und der Söldner Hajo von Vondern mit, der die Gruppe vor Wegelagerern schützt.

 

«Wir führen Güter wie Stockfisch, Salz, Wachs oder Alaun mit», so Jendryke. «Vor unserem Tisch ist eine Tafel zu sehen, die alte Hanse-Routen zeigt», erklärt der Kaufmann. Die von der Hanse Steinfurt dargestellten Szenarien bewegen sich im Hoch- und Spätmittelalter. Zu dieser Zeit waren die Gewandungen schon etwas exklusiver und beschränkten sich nicht nur auf Säcke.
Interessant auch das Wappen, das die Hanse Steinfurt mit sich führt: Eine Landschaft mit Brücke weist darauf hin, dass die Kaufleute über Land ziehen. Eine rot-weiße Schraffur spiegelt die Farben der Hanse wider. Das halbe Rad signalisiert Mobilität, der blaue Hintergrund am oberen Rand kann als Himmel oder Hinweis auf die Seefahrt interpretiert werden. Das Schwert in der Mitte signalisiert den Geleitschutz durch Söldner und die schwarzen auf den Spitzen stehenden Quadrate auf gelbem Grund am unteren Rand stehen für Steinfurt.

 

Obschon die Gruppe von Handelsreisenden kündet, verkauft sie nichts. Die Requisiten sind zum Anschauen gedacht, über Interesse an der Historie freuen sich die Mittelalter-Freunde immer und erklären alles gern ausführlich.

 

 

 

Rainer Nix: “Nicht nur Ritter und Wikinger”, Westfälische Nachrichten – Steinfurt, 06.06.2017

 

Beim Kaffee wird ein Auge zugedrückt – Wir stehen in der WN

 

Geschrieben von Kurt Jendryke

 

am 17. März 2017

 

Mittelaltergruppe „Hanse Steinfurt“ veranstaltete Info-Tag auf dem Bispinghof

 

Auch wenn das Hoch- und Spätmittelalter ihre Passion ist, so wissen sie doch den Nutzen der neuen Medien zu schätzen.
Die Mittelaltergruppe „Hanse Steinfurt” hat schon seit einiger Zeit eine eigene Homepage und ist jetzt auch noch über ihren Gründer Kurt Jendryke auf Facebook zu finden.
Am Sonntag hatten die Mitglieder zu einem Info-Nachmittag in den Speicher auf dem Bispinghof eingeladen.

 

„Es sind so viele positive Reaktionen über Facebook gekommen, dass wir uns dazu entschlossen hatten”, erläuterte Jendryke, der den Kaufmann Knut van Rieken verkörpert.
Die beiden Kräuterfrauen Iris Brackmann und Lydia Katzer freuten sich zusammen mit dem Kaufmann über mehrere Interessenten, die einmal hören wollten, was in so einer Mittelaltergruppe abläuft. Da waren unter anderem ein Bogenschütze aus Ochtrup und ein Waldläufer aus Burgsteinfurt gekommen.

 

Bei Käse, Wurst und Brot auf dem gedeckten Tisch plauderten die Hansemitglieder aus dem Nähkästchen. „Wir fahren zusammen zu Mittelalterlagern“, schilderte Jendryke die Aktivitäten. Das nächste Lager startet im Juli in Rheine. Außerdem nimmt die Gruppe noch an Lagern auf Rügen, in Cuxhaven und in Bielefeld teil. Natürlich versuche man, alles möglichst authentisch aussen zu lassen.

 

„Manchmal heißt es aber auch täuschen und tarnen”, verrät Brackmann. Da bekommt die Colaflasche auf dem Tisch dann einen Filzmantel verpasst. „Und wenn mal jemand dringend mit dem Handy telefonieren muss, dann mischt er sich unter die Besucher des Lagers”, so Jendryke. Auf den morgendlichen Kaffee verzichtet auch niemand. „Beim Kochen allerdings, versuche ich schon, ohne Tomaten oder Kartoffeln auszukommen, da es die zu der Zeit hier noch nicht gab”, schildert Kräuterfrau Brackmann.

 

 

 

Autor Unbekannt: “Beim Kaffee wird ein Auge zugedrückt”, Westfälische Nachrichten – Nordwalde, 09.03.2017

 

Gewürzkekse für die edle Dame

 

Geschrieben von Kurt Jendryke

 

am 18. November 2016

„Seid gegrüßt edle Dame.“ So empfing Kaufmann Knut van Rieken alias Kurt Jendryke Bürgermeisterin Sonja Schemmann. Sie war im alten Speicher auf dem Bispinghof zu Besuch bei der Mittelaltergruppe „Hanse Steinfurt“. Was ist da eigentlich die passende Antwort, fragte sich Schemmann. „Gehabt Euch wohl“, entgegnete Kräuterfrau Lydia Katzer und bot gleich ein paar von ihren selbst gebackenen Gewürzkeksen an. „Die sind nach einem Originalrezept der Hildegard von Bingen gemacht“, erklärte sie der Bürgermeisterin.

 

Jendryke hatte Schemmann eingeladen, um sich und die Gruppe mit dem außergewöhnlichen Hobby vorzustellen. An der üppig gedeckten Tafel erzählten Jendryke, Söldner Hajo Brackmann, die zwei Kräuterfrauen Iris Brackmann und Katzer, wie das Leben damals so im Hochmittelalter abgelaufen ist.

 

„Unsere Geschichte ist ja, dass wir ein Tross von Kaufleuten mit Begleitpersonen und Geleitschutz auf dem Weg von Venedig nach Norden sind“, erzählte Jendryke. So könne sich jeder, der Interesse an dieser Freizeitgestaltung habe, eine passende Funktion aussuchen, wenn er mitmachen möchte. Bei den monatlichen Treffen wird besprochen, an welchen Mittelalterlagern teilgenommen wird.

 

„Das Mittelalter wird ja immer als finster angesehen“, meinte Schemmann, „aber eigentlich ist es doch sehr farbenfroh gewesen.“

 

Zwischen der Gemeinde und der Mittelaltergruppe könnte sich zu den nächsten Sommerferien im Zuge der Ferienfreizeit eine Zusammenarbeit ergeben. „Wir sind dabei, mit einfachsten Mitteln Spiele aus der Zeit herzustellen“, schilderte Kräuterfrau Brackmann. „Das könnte man doch gut mit den Kindern zusammen machen“, so ihr Vorschlag. „Für die Kinder wäre das bestimmt spannend“, freute sich Schemmann.

 

Na dann ist ja „alles in Butter“. Denn in mit dem Rahm gefüllten Butterfässchen wurde damals alles Zerbrechliche transportiert. Die Herkunft von Redewendungen ist ebenfalls ein Thema der Hanse Steinfurt.

 

Quelle: http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Steinfurt/Nordwalde/2587463-Mittelaltergruppe-Gewuerzkekse-fuer-die-edle-Dame